Bienenhaus auf der Belegstelle
Begattungskästen auf der Belegstelle
Apideakästchen auf der Belegstelle
Drohnene vor dem Flugloch

Grüß Gott auf der Belegstelle Königswald

Das Belegstellenteam bei der Arbeit (Foto: Summer)
Belegstellenteam

Seit 1971 betreibt die Züchtergruppe des Bienenzuchtvereins Plattling die Belegstelle im Königswald bei Ottmaring.

1980 bekam sie die Anerkennung als Reinzuchtbelegstelle.

Jedes Jahr brechen hier mehrere Tausend junge Königinnen zum Hochzeitsflug auf. Sie werden von Drohnen besonders ausgewählter Zuchtvölker begattet. Damit verhelfen die Züchtergruppe und die Reinzüchter den Imkern zu leistungsfähigen, friedfertigen und vitalen Bienenvölkern, mit denen sie gut und mit Freude arbeiten können.

Vorraussetzung für den Erfolg der Belegstelle ist, dass alle Imker in der Umgebung den Schutzkreis beachten.

 

 

Züchtermedaille in Gold für Theo Günthner

Als erster Imker hat Theo Günthner, Leiter der Belegstelle Königswald, von Dr. Regina Eberhart die staatliche Züchtermedaille in Gold bekommen (Foto: Johann Fischer)

Auf der Tagung der bayerischen Bienenzüchter in Creußen in Oberfranken hat Dr. Regina Eberhart, Leiterin des Referates L7 „kleine Nutztiere, Geflügel, Bienen“ im Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Theo Günthner mit der bayerischen Züchtermedaille in Gold geehrt. Günthner war der erste Imker, dessen Verdienste um die Tierzucht das Landwirtschaftsministerium mit einer goldene Züchtermedaille belohnt hat. In ihrer Laudatio lobte Eberhart Theo Günthner als einem Züchter, der seine Arbeit mit großer Bescheidenheit, ohne großes Tam-Tam, oft im Hintergrund tut. In seinem Einsatz für die Carnica-Biene, eine leistungsstarke und wenig stechlustige Bienenrasse, sei er sehr hartnäckig und musste seinen Züchterkollegen oft auf die Nerven gehen. Ihm sei es mit zu verdanken, dass sich Imker in den Städten an Bienen erfreuen können. Im Landwirtschaftsministerium halte man vier Bienenvölker sogar an einer belebten Straße.

Besuch aus der Ukraine

Foto: Georg Schwarz

Eine Delegation des Ukrainischen Imkerverbands hat den Bienenzuchtverein Plattling  auf einer Infofahrt durch Deutschland und Österreich besucht. Mit Hilfe von zwei Dolmetschern hörten die Gäste aus derbUkraine viel Interessantes über Bienenhaltung und Vereinsarbeit in Bayern und die Gastgeber vieles über Bienenhaltungund Vermarktung von Produkten in der Ukraine.

Bienenkunde-praxisnah

Stolz zeigt Zuchtobmann Theo Günthner den studierenden der TU München-Weihenstephan, wie friedlich die Bienen auf der Belegstelle sind
Theo Günthner zeigt den Studenten eine Wabe mit friedlichen Bienen

„Willst Du Gottes Wunder sehen, musst Du zu den Bienen gehen ...“ Sicherlich kennt Jochen Wiecha, Agrarwissenschaftler und Imkermeister aus Grafenried diesen alten Spruch. Um den Studenten etwas von seiner Begeisterung für die Bienen und von ihrer Bedeutung für Ökosystem und Landwirtschaft zu vermitteln hat er als Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik am Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt für die Studierenden der Agrarwissenschaften ein einsemestriges Modul „Bienenkunde“ entwickelt. „Bienen sind mindestens das drittwichtigste Nutztier in der Landwirtschaft“, sagte er. Dafür werden sie viel zu wenig wahr genommen. Vier Stunden pro Woche im Institut und auf einigen Exkursionen lernen die Studierenden das wichtigste über die Bienen; Anatomie und Sozialleben, Krankheiten und Zucht, Handel und Forschung. Da arbeitet er eng mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen und dem Julius-Kühn-Institut des Bundes zusammen.

Was die Zucht so schwierig macht

 

In Exkursionen bringt er seine Studierenden mit Praktikern zusammen. Als bayerischer Zuchtobmann und Leiter der Belegstelle Königswald kann Theo Günthner beispielsweise, den Studenten viel davon erzählen, mit welchen Problemen sich die Züchter in der Praxis auseinander setzen müssen. Da geht es nicht nur um de Technik, Völker dazu zu bringen, aus Eiern Königinnen nachzuziehen. Es geht auch darum, dass die jungen Königinnen bei ihrem Hochzeitsflug auf Belegstellen Samenpakete von Drohnen ausgewählter Völker aufnehmen sollen. Eine Kuh kann man zu einem Stier führen, oder es kommt der „Rucksackbumml“ mit dem Sperma des Stiers. Wenn ein Kalb geboren wird, weiß man genau, wer Vater und Mutter sind, dann muss man nur noch die Eigenschaften dokumentieren, um weiter züchten zu können. Bei den Bienen ist das komplizierter: Da sind bis zu 20 Drohnen im Spiel, man kann nur erahnen, wo die herkommen. Etwas Sicherheit bieten die 27 Belegstellen für die Carnicabienen in Bayern, vier davon in Niederbayern. Dort stellen die Züchter Völker mit Königinnen auf, deren Stammbaum genau dokumentiert ist. Die Völker von denen sie abstammen, sind geprüft, sie sind robust, fleißig, sanftmütig, und schwärmen nicht gerne. Wenn man die Waben herauszieht, bleiben die Bienen auf der Wabe sitzen. Sie kennen Maden, die mit der Varroamilbe befallen sind besser, als andere Völker und räumen die Maden mit den Milben aus dem Stock.

auf Zusammenarbeit angewiesen

 

Zucht auf einer Belegstelle hört sich einfach an. Günthner schilderte, wie schwierig es ist, zu kontrollieren ab alle Imker im Schutzkreis von 7,5 Kilometer auch Völker von der Linie der Belegstelle halten. So schreibt es das Tierzuchtgesetz vor. Doch manche Imker wissen nicht, dass sie in einem Schutzkreis imkern, andere haben einfach keine Lust, sich an die Vorschriften zu halten. Immer wieder finden Züchter in Völkern, die auf einer Belegstelle begattet wurden, statt der grauen Carnica-Bienen, Arbeiterinnen mit roten oder gelben Ringen am Hinterleib – die deuten auf Fehlbegattungen hin.

Anerkannte Reinzüchter müssen ihre Völker nach einem standardisierten Verfahren prüfen: Die Werte für Honigleistung, Sanftmut, Wabensitz, Schwarmtrieb, Varroatoleranz tragen sie im Internet auf der Plattform beebreed.eu ein. Das mache viel Arbeit und als Zuchtobmann müsse er regelmäßig die Daten von den Züchtern einfordern, klagte Günthner. Nur, wenn auf beebreed dokumentiert ist, dass nicht nur die Königinnen, sondern auch ihre Mütter, Tanten, Schwestern, Töchter und Enkelinnen Völker mit den guten Eigenschaften hervor bringen, kann man davon ausgehen, dass die Eigenschaften in den Erbanlagen festgeschrieben sind. Nur dann werden sie zuverlässig weiter gegeben. „Als ich ein junger Kerl war“, erzählte Günthner, „da waren wir vermummt wie Raumfahrer, wenn wir zu den Bienen gegangen sind: Schleier, Gummistiefel, Handschuhe, Ärmel und Hosenbeine mit Einweckgummis zugemacht“. Heute können die Imker in kurzer Hose und kurzärmlig an die Völker gehen, sie würden eigentlich nicht gestochen, beschreibt Günthner den Zuchtfortschritt. Jungimker können zwar mit Respekt aber ohne Angst mit ihrem Hobby beginnen und mit den Nachbarn habe man auch keinen Ärger, wenn ein paar Bienenvölker im Garten stehen.

Bienen weisen stellvertretend für die wild lebenden Insekten auf viele Probleme in der Umwelt hin: Nahrungsmangel durch ausgeräumte Landschaften, Gesundheitsprobleme durch giftige Pflanzenschutzmittel. Durch die Zucht friedlicher, fleißiger Bienen halten wieder mehr Menschen Bienen. Bienen, die die Wild- und Nutzpflanzen bestäuben und für den Naturhaushalt sensibilisieren.

Auf einer weiteren Exkursion zum-Bieneninstitut des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen in Kirchhain lernten die Studierenden Aspekte der Forschung etwa zur Behandlung der Varroamilbe kennen

Auftakt 2018

Den Freitag, 13. April widmet die Züchtergruppe des Bienenzuchtvereins der Arbeit auf der Belegstelle und Informationen zur Bienenzucht.:

Ab 14. 00 Uhr sind viele fleißige Helfer gesucht, die mithelfen, die Kästen, in denen die Züchterinnen und Züchter die Begattungskästchen mit den Königinnen unterbringen, aufzustellen. Jede helfende Hand ist willkommen, nur bei strömendem Regen wird die Arbeit verschoben.

Informationen gibt es bei Theo Günthner Tel. 09938/597. Ab 17.00 Uhr sind die Helfer zu einer Brotzeit im Infohaus Isarmündung eingeladen.

Ab 18.00 Uhr informiert Theo Günthner über Bienenzucht und die Arbeit auf der Belegstelle. Er wird über Drohnenvölker 2018, Zuchtvolk und Zuchtstoffabgabe und die Datenerfassung auf der Züchterplattform Beebreed informieren, so wie über Organisatorisches, etwa den Belegstellendienstplan, den Schutzkreis und über die Auswahl der Drohnenvölker für 2019.

Umweiselungsaktion 2016 erfolgreich

Die Züchter, die die Belegstelle besucht haben, sind heuer mit der Zucht sehr zufrieden. Zwischen den Regentagen gab es immer wieder schöne Tage, an denen die Königinnen zum Hochzeitsflug starten konnten. „Es gab heuer eigentlich keine Fehlbegattungen“, freute sich Züchter Alois Kroiss.
Georg Schwarz, Mitglied der Bienenzuchtvereins Plattling hatte alle Imker im Schutzkreis angesprochen und sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie im Umkreis von 7,5 Kilometer um die Belegstelle nur Carnica-Bienen der Linie der Belegstelle halten dürfen. Viele haben das Angebot der Züchtergruppe angenommen, sich Zuchtstoff zu holen oder begattete Königinnen günstig zu erwerben. Völker mit diesen Königinnen sind besonders fleißig, robust und sanftmütig. „Ein Anfang ist gemacht, wir müssen jetzt den Kontakt zu den Imkern halten und sie weiterhin unterstützen“, sagte Schwarz. Königinnen, die von Drohnen von beliebigen Völkern außerhalb des Schutzkreises begattet wurden, können garstige Völker hervorbringen. Das weiß er aus eigener Erfahrung. Auch deswegen werden die Belegstellen immer wichtiger. Für die im Königswald meldete Theo Günthner einen neuen Rekord. Heuer haben 77 Züchter 6218 Königinnen auf die Belegstelle gebracht, 2015 waren es gut 6000, 2011 waren es noch knapp 3500.